Selbstschutz und Achtsamkeit zu sich selbst
Warum echte Wehrhaftigkeit im eigenen Verhalten beginnt
In den letzten Ausgaben ging es bei uns um Wehrhaftigkeit und Selbstverteidigung, Themen, die einige von euch spürbar beschäftigt haben und für spannende Gespräche gesorgt haben.
Genauso spannend, wenn nicht sogar noch alltagsnäher, ist das Thema Selbstschutz. Was verstehen wir eigentlich darunter? Im Kern geht es um unser eigenes Verhalten, wenn von aussen plötzlich eine Ausnahme- oder Gefahrensituation auf uns zukommt. Gutes Selbstschutzverhalten reicht dabei viel weiter, als man zuerst denkt. Es betrifft unsere Fähigkeit, uns selbst zu helfen, ob in einer Krise, bei einer Katastrophe, einem Unglücksfall oder eben im klassischen Verteidigungsfall.
Gefahr beginnt im eigenen Verhalten
Im Alltag begegnen uns ständig kleine und grosse Gefahrenpotenziale, die wir irgendwie meistern müssen. Es lohnt sich, sich damit bewusst auseinanderzusetzen, das eigene Verhalten ehrlich zu betrachten und gezielt zu trainieren, um Schäden für Leib und Leben möglichst zu vermeiden.
Gefahren zu erkennen, sie zu erahnen und ihnen mit dem nötigen Respekt zu begegnen, hat nichts mit Ängstlichkeit zu tun. Im Gegenteil, im Sinne eines guten Gong Fu gehört genau das zur echten Selbstschutzfähigkeit dazu.
Wo stecken diese Gefahren also wirklich? Meistens genau dort, wo wir sie am wenigsten vermuten, im eigenen Verhalten. Wir tragen sie täglich mit uns herum, meist ohne es zu merken.
Nicht ein herannahender Zug ist die Gefahr, sondern die Tatsache, dass wir unter Umständen 20 cm vom Perron entfernt stehen und auf dem Smartphone unsere E-Mails checken.
Nicht das Auto, das schnell herannaht, ist die Gefahr, sondern die Verhaltenstatsache, dass wir ohne den Kopf zu wenden einfach auf den Fussgängerstreifen eilen. Solche Momente wiederholen sich täglich, meist unbemerkt, und genau darin liegt ihre Tücke.
Auch beim Sitzen auf einer Bank ist es nicht der vorbeigehende Passant, der die Gefahr darstellt, sondern die Tatsache, dass die Tasche unbeaufsichtigt neben uns steht, während wir ins Gespräch oder ins Buch vertieft sind. Ein kurzer Blick zur Seite würde reichen, um das Risiko deutlich zu senken.
Gleiches gilt am Brunnen oder an anderen belebten Plätzen. Nicht der Ort selbst ist das Risiko, sondern unser eigenes Verhalten, wenn wir Wertsachen einfach aus den Augen lassen. Gerade an belebten, ablenkungsreichen Orten lohnt sich ein zweiter, bewusster Blick.
Auch abstrakte Gefahren lassen sich vorbereiten
Dann gibt es auch noch die abstrakten Gefahren, denen wir nur bedingt etwas entgegensetzen können und bei denen wir trotzdem eine Art Eindämmung der Gefahr konditionieren können.
Du setzt dich ins Flugzeug und zählst die Sitzreihen nach vorne und nach hinten bis zum Notausgang, prägst dir dieses sehr genau ein. In einem Notfall wird vermutlich die Sicht durch Rauch eingeschränkt und du musst unter Umständen den Notausgang selbst finden.
Angekommen im Ferienparadies, beginnst du gleich diskret mit dem Auskundschaften nach Fluchtwegen oder Anhöhen im Falle einer Hochwasserflut.
Aufmerksamkeit als Schlüssel
Solche und unzählige weitere Szenarien lassen sich in wenigen Sekunden gedanklich durchspielen, und schon ist man im Ernstfall spürbar besser vorbereitet. Es braucht dafür keinen grossen Aufwand. Ein paar Minuten hin und wieder reichen, um sich diese Gedanken zu machen, und das eigene Risikoverhalten verbessert sich merklich, meist sogar, ohne dass es jemand anderes bemerkt.
Das Schlüsselwort heisst Aufmerksamkeit. Selbstschutz bedeutet, mit wachem Blick die eigenen blinden Flecken im Verhalten zu erkennen und sich still und leise ein bisschen umzugewöhnen.
Wer sich darin übt, lebt am Ende entspannter und mit Sicherheit auch deutlich sorgloser.
